Stille Ecken in Berlin

Unsere Stadtoasen

Palmenhaus

Reise ins Innere des Palmenhauses

| 2 Kommentare

PalmenhausDie schönsten Reisen gehen bekanntlich nach innen. Man braucht oft nur eine kleine Anregung, schon träumt man sich aus dem Alltag davon. Beim Betrachten von Carl Blechens Gemälden gelingt das sofort. Ausprobieren!Zwei der bekanntesten Bilder des Cottbusser Malers (1798-1840) sind seit Kurzem im Neuen Pavillon des Charlottenburger Schlosses zu besichtigen. Sie entführen den Betrachter in „Das Innere des Palmenhauses“. Blechens Werke, die dieser im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhlem III. in den Jahren 1832 bis 1834 malte, zeigen das Gewächshaus auf der Pfaueninsel, eine verzauberte schwül-exotische Welt, die einen träumen lässt.

Das einst von Karl Friedrich Schinkel im indischen Stil entworfene Gebäude aus Holz und Glas beherbergte eine damals einmalige Sammlung exotischer Gewächse: Bananen- und Ananasstauden, Litschi, Lianen, Dattelpalmen, Drachenblutbäume und Kaffeepflanzen.

Instant-Wellness-Effekt

Carl Blechen bildete diese Pflanzenwelt mit großer Sorgfalt ab. Zwei Jahre arbeitete er an den beiden Bildern. Auf einem sieht man sieht man drei Haremsdamen, die sich unter einer üppig wachsenden Fächerpalme niedergelassen haben. Sie wirken wie Figuren in einer exotischen Kulisse. Die Hauptrolle in diesem Stück spielt  die von Menschenhand gebändigte Natur. Sie überwuchert selbst die Balustrade des Balkons.

„Dieser Paradiesgarten ist künstlich!“, ruft uns das Bild entgegen. Und doch ist man fasziniert, spürt man die „Suggestion von Temperatur, Feuchtigkeit und Duft“, von der sich schon die Zeitgenossen Blechens einnehmen ließen, und möchte sich auf der Stelle in das Bild hineinzoomen. Auf mich hat es den Effekt einer Instant-Wellnessbehandlung.

Das Palmenhaus gibt es nicht mehr. Der Glasbau brannte 1880 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Durch Blechens suggestive Bilder aber lebt es in der Phantasie des Betrachters weiter. Wer die Gemälde einmal auf sich wirken lassen möchte, kann dies im Neuen Pavillon im Schlossgarten Charlottenburg, Spandauer Damm 10-22, 14059 Berlin, tun. S-Bahn 41, 42, 46 (Westend), U-Bahn U2 (Sophie-Charlotte-Platz), U 7 (Richard-Wagner-Platz), Bus M 45, 109, 309.

Öffnungszeiten: November bis März: täglich 10-17 Uhr (außer Mo.), April bis Oktober: 10-18 Uhr (außer Mo.). Eintritt: 4 Euro (erm. 3 Euro), inkl. Audioguide

2 Kommentare

  1. „Die schönsten Reisen gehen bekanntlich nach innen.“ schreibst Du. Bekanntlich? Ist der Satz von Dir, oder ein Zitat? Mag das für gebautes noch einigermassen zutreffen, bin ich da beim Menschen etwas weniger sicher, also bei mir zumindest endet manche schöne Reiseplanung ins Innere bereits am Fahrkartenschalter, denn der Preis ist einfach zu hoch, aber lass ich das, hier geht es schliesslich um Gemaltes. Da fallen mir ein paar Namen, von so vielen ein, die ähnliche Sujets gemalt haben, ebenfalls mit grosser Kunstfertigkeit:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Bauernfeind
    http://de.wikipedia.org/wiki/David_Roberts_(Maler)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Auguste-Dominique_Ingres
    Ansonsten Dank! für den Tip, den Maler kannte ich nicht, aber wen kenne ich schon, von den hunderttausenden Malern.
    Tsch mit üss

    • Hallo, Oliver, ich kann dich nur ermuntern, die Reise in beide Richtungen anzutreten – ins Außen und ins Innen. Und danke für die Links, die ich jetzt gleich mal teste. Tschö (mit ö)!

Kommentar verfassen